Drohnen - die digitalen Himmelsstürmer

Das eigene Haus aus der Vogelperspektive filmen, Pakete ausliefern und sogar Fenster putzen: Drohnen sind praktische Arbeitsbienen und beliebtes Hobby von immer mehr Deutschen. Rund 400.000 der unbemannten Flugobjekte (UAV von englisch „unmanned aerial vehicle“) bevölkern derzeit schon den deutschen Luftraum. Bis 2020 wird sich ihre Zahl verfünffachen, schätzt die Deutsche Flugsicherung.

    


So funktioniert die Technik

Anders als militärische Drohnen, die in der Regel nach dem Prinzip ferngesteuerter Düsenjets funktionieren und auf einem Rollfeld starten und landen müssen, sind zivile Flugdrohnen zumeist sogenannte Multikopter. Das heißt, sie heben mittels Helikoptertechnologie senkrecht ab. Erhöht der Pilot die Motordrehzahl, gewinnt die Drohne an Höhe. Im Gegensatz zum Hubschrauber verfügt ein Multikopter über mindestens vier Rotoren (Quadrokopter). Zwei davon drehen im Uhrzeigersinn, zwei gegen den Uhrzeigersinn. Auf diese Weise wird nicht wie beim Helikopter ein ineffizienter Heckrotor zum Gegensteuern benötigt, damit die Drohne nicht ins Taumeln gerät. Die meisten Multikopter (es gibt auch Geräte mit sechs oder acht Antrieben) werden per Funkfernsteuerung gesteuert. Immer öfter navigieren die Piloten ihr Fluggerät aber auch per WLAN-Verbindung mit dem Laptop, Tablet oder Smartphone. Bei Videodrohnen kann dabei zum Teil das Livebild der Kamera aufs Display übertragen werden.

Nicht ohne Übung abheben

Um eine Drohne sicher zu steuern, bedarf es ein wenig Übung und Fingerspitzengefühl. Experten empfehlen Einsteigern, an einer Flugschulung teilzunehmen, bevor sie an den Start gehen. Denn während Materialschäden zwar ärgerlich, aber noch verschmerzbar sind, können Flugunfälle mit Dritten großen finanziellen und schlimmstenfalls auch körperlichen Schaden anrichten. Im August 2016 verfehlte ein privater Quadrokopter nur knapp einen Airbus beim Landeanflug in München. Bei einem Zusammenstoß wäre die Sicherheit der Menschen an Bord „erheblich gefährdet gewesen“, heißt es in der Strafanzeige, welche die Besatzung des Flugzeugs später beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord einreichte.

Solche Beinahezusammenstöße sind inzwischen keine Seltenheit mehr: Von Januar bis Oktober 2016 registrierte die Deutsche Flugsicherung (DFS) an Flughäfen in Deutschland 61 Fälle, in denen der Flugverkehr von Drohnen behindert wurde. Doch nicht nur in der Luft sind außer Kontrolle geratene Drohnen eine Gefahr. Wie Crashtests der Prüfgesellschaft DEKRA zeigten, können abstürzende Drohnen auch am Boden schwere Schäden anrichten, etwa wenn sie die Windschutzscheibe eines Autos durchschlagen.

Neue Regeln für den Drohnenflug

Aus den vorgenannten Gründen hat die Bundesregierung kürzlich neue Luftverkehrsregeln für Flugdrohnen verabschiedet, die jeder Drohnenbetreiber kennen sollte. Die wichtigsten Vorschriften im Kurzüberblick:

  • Kennzeichnungspflicht: Alle Flugmodelle und unbemannten Luftfahrtsysteme ab einer Startmasse von mehr als 250 Gramm müssen künftig gekennzeichnet sein, um im Schadensfall schnell den Halter feststellen zu können. Die Kennzeichnung erfolgt mittels Plakette mit Namen und Adresse des Eigentümers.
  • Kenntnisnachweis: Für den Betrieb von UAVs ab 2 Kilogramm ist künftig ein Kenntnisnachweis (Drohnenführerschein) erforderlich. Der Nachweis erfolgt nach Prüfung durch eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle. Das Mindestalter dafür ist 16 Jahre. Nur für den Betrieb auf Modellfluggeländen ist kein Kenntnisnachweis erforderlich.
  • Erlaubnispflicht: Wer ein UAV mit mehr als fünf Kilogramm Gewicht in den Himmel schicken möchte, muss eine Erlaubnis der zuständigen Landesbehörde einholen.

 Ein Betriebsverbot für unbemannte Luftfahrtsysteme gilt künftig

  • für Geräte unter 5 Kilogramm außerhalb der Sichtweite des Piloten,
  • in und über sensiblen Bereichen, z. B. Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Krankenhäusern, Menschenansammlungen,
  • über bestimmten Verkehrswegen,
  • in Kontrollzonen von Flugplätzen,
  • in Flughöhen über 100 Metern,
  • über Wohngrundstücken, wenn die Startmasse des Geräts mehr als 250 Gramm beträgt oder das Gerät oder seine Ausrüstung in der Lage ist, optische, akustische oder Funksignale zu empfangen, zu übertragen oder aufzuzeichnen (Ausnahme: Der durch den Betrieb über dem jeweiligen Wohngrundstück Betroffene stimmt dem Überflug ausdrücklich zu),
  • für UAVs über 25 Kilogramm.

Die Verordnung ist am 7. April in Kraft getreten. Die Regelungen bezüglich der Kennzeichnungspflicht und die Pflicht zur Vorlage eines Kenntnisnachweises gelten ab dem 1. Oktober 2017. Drohnenpiloten sollten zudem auf jeden Fall eine spezielle Luftfahrzeug-Haftpflichtversicherung abschließen – die private Haftpflichtversicherung haftet bei Schäden durch UAVs in der Regel nicht.

Himmlische Zeiten

Befolgen sie die neue Verordnung, stehen UAV-Piloten und ihren innovativen Fluggeräten himmlische Zeiten bevor. Für Hobbypiloten steht dabei zumeist der Spaß an pfiffigen Flugmanövern und ungewohnten Foto- und Filmperspektiven an erster Stelle. Professionelle UAVs (ab ca. 1.000 Euro) glänzen hingegen mit Hightech und variablen Einsatzmöglichkeiten. Profidrohnen können heute abhängig von ihrem Gewicht, den ausgeführten Flugmanövern und der Windgeschwindigkeit mit einer Batterieladung schon bis zu 30 Minuten am Stück in der Luft bleiben. Bei Hobbydrohnen reichen die Batterien oft gerade mal für einen fünfminütigen Flug. Neben hochauflösenden Kameras verfügen die Hightechflieger zudem über Instrumente für die Höhenmessung und Ortung. Praktisch: Eine Coming-Home-Funktion lässt die Drohne auf Knopfdruck zum Besitzer zurückkehren.

Dank des rasanten Fortschritts bei Reichweite, Tragkraft, Energieverbrauch und Steuerung kommen Profidrohnen für immer mehr professionelle Einsatzbereiche infrage.
Das zeigt last, but not least die clevere Erfindung des Braunschweigers Marcus Fritzsche. Er hat eine Spezialdrohne zum Fensterputzen entwickelt. Sie schwirrt einfach an Gebäudefassaden empor, sucht nach verschmutzten Fensterflächen und säubert sie selbstständig. Beim internationalen „Drones for Good Award“ in Dubai erreichte der studierte Mathematiker damit unter 800 Teilnehmern den sechsten Platz.